OECD verdammt Agrokraftstoffe

Nach einem Hinweis der heutigen taz bin ich gleich zur Webseite der OECD gesprungen und habe mir den jüngsten Bericht der Organisation zu Agrokraftstoffen angeschaut. “Biofuel policies in OECD countries costly and ineffective, says report”, sagt die OECD-Webseite. Die volle Studie, “Economic Assessment of Biofuel Support Policies” (PDF), lässt kein gutes Haar am Kosten-Nutzen-Verhältnis heutiger Acker-Kraftstoffe.

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Veröffentlicht in Energie, Umweltschutz. 9 Kommentare »

Energieautonome Ökohöfe und Nullemissions-Häuser

Beim Durchsehen des aktuellen idw-Newsletters sind mir zwei komplementäre Berichte aufgefallen. Unter der etwas waghalsigen Überschrift “Teller und Tank” sind möglich wird über Feldversuche auf ökologisch wirtschaftenden Bauernhöfen berichtet, die neben einer Haupt- noch eine Zweitkultur auf der selben Fläche anbauen. Bei diesem Mischfruchtanbau wurde z.B. neben Erbsen als Hauptfrucht noch Leindotter angebaut. Die beiden Pflanzen teilen sich die Ackerfläche - mit erstaunlichen Resultaten. Laut idw-Mitteilung wurde bei dieser Mischung mit fast 3 Tonnen Erbsen nahezu der vollständige übliche Ertrag gewonnen, und nebenbei konnten 250 Liter Leindotteröl erwirtschaftet werden. Die Bearbeitung eines Hektars verbraucht laut Bericht 80-150 Liter Pflanzenöl, so dass man hier von einer wirklichen Energieautonomie sprechen kann (weiß der Geier, warum gerade alle möglichen Leute von der streng genommen nicht zutreffenden Energie”autarkie” sprechen, aber sei’s drum). Andere Kombinationen seien nicht ganz so erfolgreich, und zudem fehlt oft noch die Erfahrung mit den alternativen Pflanzentreibstoffen, aber diese Art selbstgenügsamen und dabei sehr produktiven Ökoanbaus verdient weitere Beachtung und Förderung, gerade in Zeiten explodierender Erdölpreise.

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Das soll ich essen?

Was macht einen größeren Anteil an den Treibhausgasemissionen meines Speiseplans aus: Woher das Essen kommt, oder was ich esse? Zumindest für die USA ist diese Frage vorerst beantwortet. Simon Donner verweist auf eine jüngst erschienene Studie von Weber und Matthews, nach der die Wahl was ich auf meinen Teller packe einen sehr viel größeren Einfluss hat als die Frage, woher diese Dinge kommen. In Zahlen: 83% der Emissionen klimawirksamer Gase entstehen in der Produktionsphase von Nahrungsmitteln, lediglich 11% entfallen auf den Transport - der mit durchschnittlichen 1.640km vom Produktionsort bis zum Supermarktregal schon ziemlich happig ist, die aber wiederum von den 6.760km der gesamten Produktionskette (life-cycle supply chain) noch einmal deutlich übertroffen werden.

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2.000 demonstrieren für Artenvielfalt, 850.000 feiern auf Straßenparty

Nach kläglichen 5.000 oder so DemonstriererInnen am 8. Dezember 2007 am groß angekündigten Klimaaktionstag in Berlin hat die Umweltbewegung dieses Wochenende wieder einmal ihre Schwäche gezeigt. Ganze 2.000 Leute haben sich bei bestem Wetter in Bonn dazu bewegen können, die Auftaktdemo zum Biodiversitäts-Gipfel zu beehren. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Leute mit nix vor die Tür zu bewegen wären, im Gegenteil: Stolze 850.000 Leute haben alleine am Sonntag den Berliner Karneval der Kulturen besucht und es sich gut gehen lassen. Das sei ihnen, ohne Frage, mehr als gegönnt. Ich habe selber den Karneval oft, gerne und ausgiebig besucht. Das Verhältnis von 1 Umwelt- und EntwicklungsdemonstrantIn zu 425 StraßenpartylöwInnen wirft allerdings ein bezeichnendes Licht auf den Zustand der Umwelt- plus der Entwicklungsbewegung.

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Atlas des menschlichen Einflusses auf die Weltmeere

Vergangene Woche hat ein großes Team von WissenschaftlerInnen in der Fachzeitschrift Science eine Karte veröffentlicht, auf der der Einfluss des Menschen auf die Weltmeere verzeichnet ist. Das beteiligte National Center for Ecological Analysis and Synthesis (NCEAS) hat die wichtigsten Ergebnisse wie auch die entstandene Karte auf seiner Webseite veröffentlicht. Spiegel Online spricht von einem “Atlas der Zerstörung”, und die Zeit schreibt einen “kritischen Bericht”.

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Die Ökostadt kommt! Leider (noch) nicht bei uns.

Weil ich selber Mitglied einer Baugruppe bin, die in Berlin ein geeignetes Gelände zum Bau eines größeren Passivhaus(komplex)es sucht, stöbere ich seit einigen Monaten immer wieder mal in stadtplanerischen Artikeln oder schaue mir architektonische Entwürfe an. Vor ein paar Wochen bin ich auf ein ehrgeiziges Projekt in Abu Dhabi aufmerksam geworden. Unter dem Namen Masdar (was übersetzt so viel wie Ursprung oder Quelle heißen soll) plant das Emirat, eine sechs Quadratkilometer große 50.000-Einwohnerstadt so umfassend wie nur möglich nachhaltig zu bauen. Das heißt sowohl autofrei wie auch CO2-emissionsfrei und abfallfrei. Die Energieversorgung übernimmt das dann größte solarthermische Kraftwerk der Welt. Kein Punkt in der ganzen Stadt wird mehr als 200m vom nächsten Einstiegspunkt in das öffentliche Verkehrsmittelnetz entfernt sein. Das Emirat plant damit endlich handfest für die Zeit vor, in der Öl astronomisch teuer werden wird.

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Kann Bio die Welt ernähren?

Die FAO hat im Dezember letzten Jahres eine Erklärung herausgegeben, nach der Biolandwirtschaft nicht geeignet ist, anstelle konventioneller Methoden die Welternährung zu garantieren. Jacques Diouf, Generaldirektor der FAO, sagte wörtlich: “But you cannot feed six billion people today and nine billion in 2050 without judicious use of chemical fertilizers.” Interessanterweise bezieht sich die Einschränkung für Bioanbau anscheinend nur auf den Einsatz von Düngemitteln. Weiter unten heißt es:

“Higher productivity with lower inputs can be obtained from such systems as Integrated Pest Management (IPM) and Conservation Agriculture (CA), Dr. Diouf noted. IPM can reduce pesticide use by 50% in the case of cotton and vegetable production and up to 100 percent with rice. CA and no-tillage agriculture reduces labour requirements by doing away with ploughing and can use 30 percent less fertilizer and 20 percent less pesticides.”

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Gemeinsame Stellungnahme der Wissenschaftlichen Akademien aller G8-Länder

Von den Medien (aber nicht von der Blogwelt) weitgehend unbemerkt geblieben ist die jüngste gemeinsame Stellungnahme der Nationalen Wissenschaftlichen Akademien aller G8-Länder sowie einiger weiterer Staaten, die nicht ohne Grund wenige Wochen vor dem anstehenden G8-Gipfel in Heiligendamm herausgegeben wurde. Das Dokument trägt den Titel Joint science academies’ statement on growth and responsibility: sustainability, energy efficiency and climate protection (auf deutsch: Gemeinsame Stellungnahme wissenschaftlicher Akademien über Wachstum und Verantwortung: Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Klimaschutz) und spricht eine deutliche Sprache. Die Stellungnahme enthält dringende Handlungsempfehlungen für die Staatsoberhäupter und DiplomatInnen im abgeriegelten Tagungshotel an der Ostsee.

Die AutorInnen nennen Energiesicherheit und den Klimawandel als “entscheidende Themen unserer Zeit.” Zur Frage der ökologischen Folgen unseres Energiesystems lässt die Stellungnahme an Klarheit nichts zu wünschen übrig: “Unser gegenwärtiger Kurs der Energieversorgung ist nicht nachhaltig. [...] Dem wachsenden Bedarf zu entsprechen und gleichzeitig den zukünftigen Klimawandel zu minimieren bedarf all unserer Bestimmtheit und unseres Erfindungsreichtums.”

Das Papier unterstreicht die Notwendigkeit für “große Investitionen und erfolgreiche technologische und institutionelle Innovation”, um “bessere Energieeffizienz, Niedrig- oder Null-Kohlenstoff-Energiequellen sowie Kohlenstoffsequestrierung zu erreichen.” Energieeffizienz wird als “Schlüsselelement” bezeichnet, das dringend und umfassend ausgebaut werden muss.

Wie kann dieses Dokument eingeordnet werden? Zunächst einmal ist es nach zwei vergleichbaren Stellungnahmen von 2001 und 2005 die dritte derartige Publikation der wichtigsten wissenschaftlichen Dachorganisationen unseres Planeten, die den im IPCC dargestellten Konsens in der Klimatologie ausdrücklich unterstreichen. Es geschieht nicht oft, dass die besten WissenschaftlerInnen der USA, Japans, Deutschlands, Kanadas, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Russlands solch einhellige Meinungsäußerungen veröffentlichen. Die G8-Akademien wurden dabei im Laufe der letzten sechs Jahre unter anderem von den Wissenschaftlichen Akademien Chinas, Brasiliens, Indiens, Südafrikas oder Mexikos unterstützt.

Doch noch etwas anderes fällt auf: Die Stellungnahme ist trotz ihrer Klarheit erstaunlich unrevolutionär. Mehr Energieeffizienz, modernere Kohlekraftwerke, Erneuerbare Energien, Nuklearenergie - in diesem bunten Sammelsurium findet sich letztlich nichts, was den herrschenden Verhältnissen widerspricht. Die Inhalte setzen klar auf technische Lösungen unserer Umweltprobleme, nicht auf fundamentale soziale und ökonomische Veränderungen. Damit entsprichen die Akademien am ehesten dem, was der Politologe Andrew Dobson in seinem Buch Green Political Thought als environmentalism bezeichnet: Ein Ansatz, der auf klügeres Management existierender Technologien setzt, um Umweltschäden zu minimieren. Es ist so genanntes “weiches” grünes Denken. Die Alternative, die bei Dobson ecologism genannte Denkrichtung, würde viel weiter gehen und besonders das existierende Wirtschaftssystem kritisieren. Doch für eine solch “harte” grüne Linie sind die Nationalen Wissenschaftsakademien in ihrem Konsenspapier dann anscheinend doch zu sehr dem Mainstream verhaftet.

Montreal - das bessere Kyoto?

Das Montrealer Protokoll gilt weithin als eine Erfolgsgeschichte der Umweltpolitik. Es ist ein Protokoll zur Ausgestaltung des 1985 beschlossenen Wiener Übereinkommens zum Schutz der Ozonschicht und regelt die Details der internationalen Bemühungen um das Verbot von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW). Das Protokoll selber ist in seiner jüngsten, 1999 in Peking revidierten Fassung mit etwa 15 Seiten nicht gerade ausufernd lang, hat jedoch anscheinend eines der bedeutendsten Umweltprobleme unserer Zeit gelöst. In diesem Beitrag will ich auf die Hintergründe eingehen und darstellen, warum Parallelen zum Klimaschutzprozess mit Vorsicht zu genießen sind.

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