Das soll ich essen?

Was macht einen größeren Anteil an den Treibhausgasemissionen meines Speiseplans aus: Woher das Essen kommt, oder was ich esse? Zumindest für die USA ist diese Frage vorerst beantwortet. Simon Donner verweist auf eine jüngst erschienene Studie von Weber und Matthews, nach der die Wahl was ich auf meinen Teller packe einen sehr viel größeren Einfluss hat als die Frage, woher diese Dinge kommen. In Zahlen: 83% der Emissionen klimawirksamer Gase entstehen in der Produktionsphase von Nahrungsmitteln, lediglich 11% entfallen auf den Transport - der mit durchschnittlichen 1.640km vom Produktionsort bis zum Supermarktregal schon ziemlich happig ist, die aber wiederum von den 6.760km der gesamten Produktionskette (life-cycle supply chain) noch einmal deutlich übertroffen werden.

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2.000 demonstrieren für Artenvielfalt, 850.000 feiern auf Straßenparty

Nach kläglichen 5.000 oder so DemonstriererInnen am 8. Dezember 2007 am groß angekündigten Klimaaktionstag in Berlin hat die Umweltbewegung dieses Wochenende wieder einmal ihre Schwäche gezeigt. Ganze 2.000 Leute haben sich bei bestem Wetter in Bonn dazu bewegen können, die Auftaktdemo zum Biodiversitäts-Gipfel zu beehren. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Leute mit nix vor die Tür zu bewegen wären, im Gegenteil: Stolze 850.000 Leute haben alleine am Sonntag den Berliner Karneval der Kulturen besucht und es sich gut gehen lassen. Das sei ihnen, ohne Frage, mehr als gegönnt. Ich habe selber den Karneval oft, gerne und ausgiebig besucht. Das Verhältnis von 1 Umwelt- und EntwicklungsdemonstrantIn zu 425 StraßenpartylöwInnen wirft allerdings ein bezeichnendes Licht auf den Zustand der Umwelt- plus der Entwicklungsbewegung.

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Deutschland könnte 44% der Treibhausgase bis 2030 einsparen

In Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut und ein paar anderen Einrichtungen hat das Umweltbundesamt vor kurzem eine Szenarienstudie zur Klimaschutzpolitik veröffentlicht. Die Studie mit dem Titel “Politikszenarien für den Klimaschutz IV - Szenarien bis 2030″ kann wie üblich beim UBA heruntergeladen werden. Darin werden drei Szenarien mit unterschiedlichen politischen Maßnahmen zum Klimaschutz und ihre jeweiligen Auswirkungen auf den Treibhausgasausstoß Deutschlands geschildert. Diese Szenarien sind:

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Kurz vor Bali: Wie weit muss Klimaschutz gehen?

(Mit kleinen Veränderungen parallel hier veröffentlicht und in zwei Teilen in der Reader’s Edition.)

In wenigen Tagen beginnt die Weltklimakonferenz auf Bali. Vom 3. bis zum 14. Dezember verhandeln 10.000 Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen unter aufmerksamer Beobachtung von Nichtregierungsorganisationen und Medien die Zukunft des Weltklimas. Was sie beschließen werden, ist naturgemäß noch unklar. Die bisherige Geschichte der Weltklimakonferenzen reicht jedoch aus um zu zeigen, wie eklatant Anspruch und Wirklichkeit beim Klimaschutz auseinander klaffen.

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Alles beim Alten

Über den Blog von Andrew Dessler bin ich auf diesen Zeitungsartikel aufmerksam geworden:

At the World Climate Conference in Geneva this week, the United States blocked consensus on specific goals for reduction of carbon dioxide emission. As What’s New predicted a month ago, the US sided with such backward nations as China and the Soviet Union, and oil producers like Venezuela and Saudi Arabia. Our traditional allies, Western European nations, Canada Japan, New Zealand and Australia, said they could cut emissions through energy efficiency measures at no net cost. A German study even concludes they can make money — selling energy-saving technologies to backward countries like the US. John Knauss, the head of NOAA who led the US delegation, contended the revised Clean Air Act would lead to significant CO2 reductions, but a recent estimate from EPA put the reduction at only about 2%.

Nein, der Zeitungsartikel ist nicht einige Tage alt, sondern vom 9. November 1990.

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Klima-Hysterie? Wo?

In Blogs, Foren und Zeitungen wird in jüngster Zeit beständig gegen die angebliche vorherrschende “Klima-Hysterie” polemisiert. Cicero schreibt darüber und bringt die übliche Verschwörungstheorie mundtot gemachter Kritiker des IPCC mit ins Spiel, und die FAZ publiziert Wider die Klimahysterie. Beide befinden sich damit in der illustren Gesellschaft der verrückten BüSo, die gleich eine Petition “wider die Klima-Hysterie” vorantreibt (wer hat da jetzt von wem abgeschrieben?). Ebenfalls nahe dran bewegt sich oekologismus.de, wo die Kommentare wie üblich nur so vor Warnungen vor dem “Klima-Wahn” strotzen. Alle rechts von der Mitte plapperns nach, dann wirds wohl stimmen? Befinden wir uns in einer Zeit, in der panisch alles gegen den Klimawandel getan wird? Drohen die Schleifung von Bürgerrechten und unsere Wirtschaft vernichtende Steuerraten auf lebenswichtige Energie? Wohl kaum.

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Gemeinsame Stellungnahme der Wissenschaftlichen Akademien aller G8-Länder

Von den Medien (aber nicht von der Blogwelt) weitgehend unbemerkt geblieben ist die jüngste gemeinsame Stellungnahme der Nationalen Wissenschaftlichen Akademien aller G8-Länder sowie einiger weiterer Staaten, die nicht ohne Grund wenige Wochen vor dem anstehenden G8-Gipfel in Heiligendamm herausgegeben wurde. Das Dokument trägt den Titel Joint science academies’ statement on growth and responsibility: sustainability, energy efficiency and climate protection (auf deutsch: Gemeinsame Stellungnahme wissenschaftlicher Akademien über Wachstum und Verantwortung: Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Klimaschutz) und spricht eine deutliche Sprache. Die Stellungnahme enthält dringende Handlungsempfehlungen für die Staatsoberhäupter und DiplomatInnen im abgeriegelten Tagungshotel an der Ostsee.

Die AutorInnen nennen Energiesicherheit und den Klimawandel als “entscheidende Themen unserer Zeit.” Zur Frage der ökologischen Folgen unseres Energiesystems lässt die Stellungnahme an Klarheit nichts zu wünschen übrig: “Unser gegenwärtiger Kurs der Energieversorgung ist nicht nachhaltig. [...] Dem wachsenden Bedarf zu entsprechen und gleichzeitig den zukünftigen Klimawandel zu minimieren bedarf all unserer Bestimmtheit und unseres Erfindungsreichtums.”

Das Papier unterstreicht die Notwendigkeit für “große Investitionen und erfolgreiche technologische und institutionelle Innovation”, um “bessere Energieeffizienz, Niedrig- oder Null-Kohlenstoff-Energiequellen sowie Kohlenstoffsequestrierung zu erreichen.” Energieeffizienz wird als “Schlüsselelement” bezeichnet, das dringend und umfassend ausgebaut werden muss.

Wie kann dieses Dokument eingeordnet werden? Zunächst einmal ist es nach zwei vergleichbaren Stellungnahmen von 2001 und 2005 die dritte derartige Publikation der wichtigsten wissenschaftlichen Dachorganisationen unseres Planeten, die den im IPCC dargestellten Konsens in der Klimatologie ausdrücklich unterstreichen. Es geschieht nicht oft, dass die besten WissenschaftlerInnen der USA, Japans, Deutschlands, Kanadas, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Russlands solch einhellige Meinungsäußerungen veröffentlichen. Die G8-Akademien wurden dabei im Laufe der letzten sechs Jahre unter anderem von den Wissenschaftlichen Akademien Chinas, Brasiliens, Indiens, Südafrikas oder Mexikos unterstützt.

Doch noch etwas anderes fällt auf: Die Stellungnahme ist trotz ihrer Klarheit erstaunlich unrevolutionär. Mehr Energieeffizienz, modernere Kohlekraftwerke, Erneuerbare Energien, Nuklearenergie - in diesem bunten Sammelsurium findet sich letztlich nichts, was den herrschenden Verhältnissen widerspricht. Die Inhalte setzen klar auf technische Lösungen unserer Umweltprobleme, nicht auf fundamentale soziale und ökonomische Veränderungen. Damit entsprichen die Akademien am ehesten dem, was der Politologe Andrew Dobson in seinem Buch Green Political Thought als environmentalism bezeichnet: Ein Ansatz, der auf klügeres Management existierender Technologien setzt, um Umweltschäden zu minimieren. Es ist so genanntes “weiches” grünes Denken. Die Alternative, die bei Dobson ecologism genannte Denkrichtung, würde viel weiter gehen und besonders das existierende Wirtschaftssystem kritisieren. Doch für eine solch “harte” grüne Linie sind die Nationalen Wissenschaftsakademien in ihrem Konsenspapier dann anscheinend doch zu sehr dem Mainstream verhaftet.

Montreal - das bessere Kyoto?

Das Montrealer Protokoll gilt weithin als eine Erfolgsgeschichte der Umweltpolitik. Es ist ein Protokoll zur Ausgestaltung des 1985 beschlossenen Wiener Übereinkommens zum Schutz der Ozonschicht und regelt die Details der internationalen Bemühungen um das Verbot von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW). Das Protokoll selber ist in seiner jüngsten, 1999 in Peking revidierten Fassung mit etwa 15 Seiten nicht gerade ausufernd lang, hat jedoch anscheinend eines der bedeutendsten Umweltprobleme unserer Zeit gelöst. In diesem Beitrag will ich auf die Hintergründe eingehen und darstellen, warum Parallelen zum Klimaschutzprozess mit Vorsicht zu genießen sind.

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