UNEP-Atlas des Umweltwandels

Bereits vor zwei Jahren ist vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) der Bildband One Planet Many People - Atlas of Our Changing Environment herausgegegeben worden. Der Atlas zeigt in beeindruckenden Satellitenbildern den dramatischen Effekt menschlicher Tätigkeit auf das Gesicht der Erdoberfläche über die letzten drei Jahrzehnte. Auf vergleichenden Aufnahmen von verschiedenen Regionen der ganzen Welt einmal aus den 1970er und erneut aus den 2000er Jahren wird das Ausmaß von durch Menschen verursachten Umweltveränderungen deutlich sichtbar.

Letztes Jahr wurde außerdem bekannt gegeben, dass UNEP mit Google kooperiert und auf seiner Website Funktionen integriert hat, dank denen die Inhalte des Atlas auch mittels Google Earth darstellbar sind. Auf der dazugehörigen Website bedarf es jedoch gar nicht mal der Installation des Programms. Vielmehr werden alle Bilder inklusive einer knappen Erklärung der dahinterliegenden Dynamike benso gut im Browser angezeigt.

Das folgende Beispiel ist besonders eindrucksvoll und zeigt die massiven Veränderungen des Regenwaldes in Bolivien zwischen 1975 und 2003:

UNEP One Planet Many People - Bolivia Ranforest 1975

UNEP One Planet Many People - Bolivia Ranforest 2003
Bilder: Satellitenaufnahmen von Santa Cruz, Bolivien, zwischen 1975 und 2003. Quelle: UNEP: One Planet Many People - Santa Cruz, Bolivia.

Vergleichbare Bilder gibt es dutzendweise im UNEP-Atlas, den ausführlich zu erkunden sich besonders an einem verregneten oder anderweitig freien Nachmittag lohnt. Hätte ich 2005 schon geblogt, würde ich wahrscheinlich nicht erst mit zwei Jahren Verspätung einen Beitrag hierzu schreiben. Aber so kann ich nebenbei auch mal die Gelegenheit ergreifen und dafür sorgen, dass “Globale Umweltpolitik” nicht zu einem reinen Klimablog verkommt ;)

Veröffentlicht in Allgemein. 2 Kommentare »

Ist es die Sonne?

Mit schöner Regelmäßigkeit tauchen im Internet wilde Behauptungen über “alternative” Erklärungsmodelle für die beobachtete globale Erwärmung auf. Eine der vermutlich ältesten und gleichzeitig hartnäckigsten Unterstellungen ist die, dass die Sonne ursächlich für den aktuellen Klimawandel sei. Immerhin könnten bereits kleinste Änderungen ihrer Aktivität potenziell enorme Klimaschwankungen auf der Erde auslösen. Wenn es ganz dicke wird, verweisen Skeptizisten auch schon einmal auf ein paar andere Planeten unseres Sonnensystems, wo auch eine “globale Erwärmung” feststellbar sei - und folglich nur die Sonne in Frage komme. Unabhängig davon, dass man diesen Planetenquatsch sehr leicht als Unfug enttarnen kann, beschäftigt sich dieser Beitrag vor allem mit der Frage: Kann es wirklich die Sonne sein?

Den Rest des Beitrags lesen »

900 Milliarden Euro

Wie das Stockholm International Peace Research Institute gestern laut einem Bericht von tagesschau.de mitteilte, sind die weltweiten Ausgaben für Rüstung und Militär im vergangenen Jahr auf ein neues Rekordhoch gestiegen. 2006 gaben die Staaten der Welt ungefähr 900 Milliarden Euro für ihre Militärmaschinerien aus, oder grob etwa 1.200 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Anstieg um 3,5% gegenüber 2005, was die Ausgaben über die letzten 10 Jahre gesehen um insgesamt 37% ansteigen ließ. Mit fast 400 Milliarden Euro liegen die USA unangefochten an erster Stelle und vereinen auf sich fast die Hälfte aller weltweiten Rüstungsausgaben. Mit deutlichem Abstand folgen dahinter Großbritannien, Frankreich, China, Japan und Deutschland.

Was hat das mit globaler Umweltpolitik zu tun? Mehreres.

Erstens werden von verschiedenen Quellen die Kosten für effektiven Klimaschutz mit einer Größenordnung um 1% des Welt-BIP angegeben. Zu diesen Quellen gehören unter anderem der Stern-Report oder auch ein lesenswertes Papier von Edenhofer et al. Das IPCC hat im jüngsten Bericht seiner Arbeitsgruppe III Schätzungen über die wirtschaftlichen Folgen für die Stabilisierung des atmosphärischen CO2eq-Levels auf Konzentrationen zwischen 445 und 710 ppm mit einer Veränderung des globalen BIP bis 2030 um -3% bis hin zu einem leichten Plus beziffert. Übersetzt in Reduktionen der jährlichen Wachstumsrate des Welt-BIP bedeutet dies eine Abnahme um <0,12 bis <0,06 Prozentpunkte. Bis 2050 steigen diese Beträge möglicherweise auf bis zu 5,5% absolut bei praktisch unveränderten Angaben für die Wachstumsraten.

Das Welt-BIP betrug laut CIA World Fact Book im Jahr 2006 knapp 46.660 Milliarden Dollar oder laut aktuellerer Schätzung des Internationalen Währungsfonds 48.144 Milliarden Dollar. Bleiben wir beim Wert des IWF, dann entsprechen die Militärausgaben über 1.200 Milliarden davon etwa 2,5%. Nur mal angenommen, wir wollten wirklich effektiven Klimaschutz über eine Reduktion des Militärbudgets finanzieren. Dann könnten wir uns entweder die Rüstungsetats eines einzigen Jahres sparen und hätten auf der Stelle genügend Geld für Klimaschutz bis 2030 (und ein weiteres Jahr gäbe uns mehr als genug bis 2050). Oder aber wir entscheiden uns weiterhin paranoide Angst vor uns selbst zu haben, behalten den größten Teil unserer Kriegsmaschinerie bei und sparen statt dessen lieber jedes Jahr einen kleineren Betrag davon ein. Dann müssten die Ausgaben für unsere Armeen von 2,5% am Welt-BIP auf fantastische 2,4% sinken - voilà!

Ein weiterer Zusammenhang wird in Anbetracht der letztlich geringen Kosten für den Klimaschutz deutlich: Eine Reduktion der jährlichen Wachstumsrate um <0,12 Prozentpunkte im meistambitiösen Szenario heißt, dass sich in den gut 90 Jahren bis zum Jahr 2100 sehr vereinfacht gerechnet diese Kosten auf unter 11% am Welt-BIP aufsummieren. Die Weltwirtschaft wuchs, ebenfalls laut CIA World Fact Book, im vergangenen Jahr um 5,1%. Mit anderen Worten: Die Welt würde den möglichen wirtschaftlichen Reichtum des Jahres 2100 aufgrund der Ausgaben für Klimaschutz unter diesen Bedingungen erst im Jahr 2102 erreichen - eine nahezu gigantische Verzögerung! Die Rettung unseres Klimas kostet nicht mehr als die bloßen Wachstumsraten von zwei Jahren im Laufe eines ganzen Jahrhunderts!

Dieser Vergleich ermöglicht uns, um zweiten Punkt zu kommen: Den Copenhagen Consensus, ein kontroverses Projekt des Umweltskeptizisten Bjørn Lomborg. Lomborg lud 2004 eine Reihe von ExpertInnen ein, um ihnen eine monströse Aufgabe zu unterbreiten: Mit erfundenen 50 Milliarden Dollar, etwas weniger als das jährliche Budget der globalen staatlichen Entwicklungshilfe, sollten die drängendsten Probleme der Welt bekämpft werden. Die Gelder konnten frei nach Gutdünken verteilt werden. Lomborg erhoffte sich daraus, eine Prioritätenliste erstellen zu können, anhand derer die verfügbaren knappen Gelder mit größter Effektivität gegen die schlimmsten identifizierten Übel neu zugeteilt werden könnten. Ein Beitrag auf RealClimate.org weist bereits darauf hin, dass der zeitliche Rahmen der Entscheidung nur fünf Jahre beträgt, was das Ergebnis bereits im Vorhinein in Richtung kurzfristiger Problemlösung beeinträchtigt. Wenig überraschend taucht Klimaschutz auf den hintersten Rängen auf, während AIDS und Mangelernährung verständlicherweise die Listen anführen.

Ein weiterer Kritikpunkt, der irgendwann vor gefühlten drei Jahren in der Frankfurter Rundschau erwähnt wurde, trifft sich jedoch erst recht vortrefflich mit den Zahlen für die Rüstungsausgaben. Einer der (wenn ich das aus meinem löchrigen Gedächtnis so richtig rekonstruiere) zum Consensus-Treffen eingeladenen, aber nicht erschienen oder daran teilgenommen habenden, aber hinterher unzufriedenen Experten äußerte seinen Unmut ungefähr auf folgende Weise: Es ist vollkommen unzureichend, das künstlich verknappte Geld virtuell zu verteilen, es wäre viel sinnvoller herauszufinden, wie viel Geld wir für die effektive Lösung aller angesprochenen Probleme brauchen und dann genau diesen Betrag lautstark einzufordern. Lomborg hielt meines Wissens dagegen, dass dies eine Phantasiesumme sei, die in der Größenordnung einer Billion Dollar liege und dass man ohnehin nie daran kommen werde.

Nun, es ist uns wichtig genug 1,2 Billionen Dollar jedes Jahr in unsere gesammelten Armeen zu stecken. Mangelndes Geld kann also ganz offensichtlich nicht der Grund fürs Scheitern wirklich ernsthafter Umwelt- und Entwicklungspolitik sein…

Veröffentlicht in Finanzielles. 2 Kommentare »

Umweltskeptizismus

Es ist an der Zeit, dem grassierenden Umweltskeptizismus näher auf den Grund zu gehen! Nachdem ich in der vergangenen Woche endlich ein paar sehr gute Studien zu dem Thema in die Finger bekommen und einen kurzen und unvollständigen Artikel darüber bei Wikipedia geschrieben habe (der mittlerweile leider schon wieder gelöscht wurde), kann ich mein neu eingerichtetes Blog gut nutzen und diesem Phänomen die nötige Aufmerksamkeit widmen. Meine wichtigste Quelle wird der im Februar 2006 in der Zeitschrift Global Environmental Politics erschienene Artikel The Rearguard of Modernity: Environmental Skepticism as a Struggle of Citizenship von Peter Jacques sein. Jacques ist einer der wenigen Politikwissenschaftler, die sich näher mit dem Umweltskeptizismus als sozialem Phänomen beschäftigen und sich nicht auf eine Widerlegung fachlich falscher Einzelbeiträge konzentrieren.

Den Rest des Beitrags lesen »

Veröffentlicht in Skeptizismus. 7 Kommentare »

Lukrative Klimaforschung?

Immer wieder behaupten Klimaskeptiker, die KlimaforscherInnen würden ausschließlich nach ihrem eigenen finanziellen Vorteil streben. Forschungsergebnisse würden aufgebläht und mit alarmistischen Warnungen versehen, weil nur so die Forschungsgelder flössen. Dadurch sei in den letzten zehn Jahren ein enorm aufgeblähter Klimatologie-Apparat entstanden, der mit dem IPCC an der Spitze alle Merkmale einer sich selbst erhaltenden Riesenbürokratie enthalte.

Nette Geschichte. Sie stimmt nur hinten und vorne nicht. KlimatologInnen schüren Panik und haben dadurch ihren Forschungsetat erhöhen können? Falsch. Von 2006 bis 2007 sollen die geplanten Ausgaben der US-Regierung für Klimaforschung deutlich sinken, und zwar um satte 176 Millionen auf 1,1395 Milliarden Dollar.

Den Rest des Beitrags lesen »

Veröffentlicht in Globale Erwärmung. 4 Kommentare »

Gemeinsame Stellungnahme der Wissenschaftlichen Akademien aller G8-Länder

Von den Medien (aber nicht von der Blogwelt) weitgehend unbemerkt geblieben ist die jüngste gemeinsame Stellungnahme der Nationalen Wissenschaftlichen Akademien aller G8-Länder sowie einiger weiterer Staaten, die nicht ohne Grund wenige Wochen vor dem anstehenden G8-Gipfel in Heiligendamm herausgegeben wurde. Das Dokument trägt den Titel Joint science academies’ statement on growth and responsibility: sustainability, energy efficiency and climate protection (auf deutsch: Gemeinsame Stellungnahme wissenschaftlicher Akademien über Wachstum und Verantwortung: Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Klimaschutz) und spricht eine deutliche Sprache. Die Stellungnahme enthält dringende Handlungsempfehlungen für die Staatsoberhäupter und DiplomatInnen im abgeriegelten Tagungshotel an der Ostsee.

Die AutorInnen nennen Energiesicherheit und den Klimawandel als “entscheidende Themen unserer Zeit.” Zur Frage der ökologischen Folgen unseres Energiesystems lässt die Stellungnahme an Klarheit nichts zu wünschen übrig: “Unser gegenwärtiger Kurs der Energieversorgung ist nicht nachhaltig. [...] Dem wachsenden Bedarf zu entsprechen und gleichzeitig den zukünftigen Klimawandel zu minimieren bedarf all unserer Bestimmtheit und unseres Erfindungsreichtums.”

Das Papier unterstreicht die Notwendigkeit für “große Investitionen und erfolgreiche technologische und institutionelle Innovation”, um “bessere Energieeffizienz, Niedrig- oder Null-Kohlenstoff-Energiequellen sowie Kohlenstoffsequestrierung zu erreichen.” Energieeffizienz wird als “Schlüsselelement” bezeichnet, das dringend und umfassend ausgebaut werden muss.

Wie kann dieses Dokument eingeordnet werden? Zunächst einmal ist es nach zwei vergleichbaren Stellungnahmen von 2001 und 2005 die dritte derartige Publikation der wichtigsten wissenschaftlichen Dachorganisationen unseres Planeten, die den im IPCC dargestellten Konsens in der Klimatologie ausdrücklich unterstreichen. Es geschieht nicht oft, dass die besten WissenschaftlerInnen der USA, Japans, Deutschlands, Kanadas, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Russlands solch einhellige Meinungsäußerungen veröffentlichen. Die G8-Akademien wurden dabei im Laufe der letzten sechs Jahre unter anderem von den Wissenschaftlichen Akademien Chinas, Brasiliens, Indiens, Südafrikas oder Mexikos unterstützt.

Doch noch etwas anderes fällt auf: Die Stellungnahme ist trotz ihrer Klarheit erstaunlich unrevolutionär. Mehr Energieeffizienz, modernere Kohlekraftwerke, Erneuerbare Energien, Nuklearenergie - in diesem bunten Sammelsurium findet sich letztlich nichts, was den herrschenden Verhältnissen widerspricht. Die Inhalte setzen klar auf technische Lösungen unserer Umweltprobleme, nicht auf fundamentale soziale und ökonomische Veränderungen. Damit entsprichen die Akademien am ehesten dem, was der Politologe Andrew Dobson in seinem Buch Green Political Thought als environmentalism bezeichnet: Ein Ansatz, der auf klügeres Management existierender Technologien setzt, um Umweltschäden zu minimieren. Es ist so genanntes “weiches” grünes Denken. Die Alternative, die bei Dobson ecologism genannte Denkrichtung, würde viel weiter gehen und besonders das existierende Wirtschaftssystem kritisieren. Doch für eine solch “harte” grüne Linie sind die Nationalen Wissenschaftsakademien in ihrem Konsenspapier dann anscheinend doch zu sehr dem Mainstream verhaftet.